auf nach Chile

Hätte mir vor einem Jahr jemand gesagt, dass ich in weniger als 10 Tagen im Flieger nach Chile sitzen würde, hätte ich vermutlich nur müde gelächelt und gedacht: Träum weiter… Was sich damals noch so unglaublich surreal anhörte, wird nun wahr: Am 15. August breche ich auf nach Chile – für ein ganzes Jahr. Viel realer fühlt es sich jedoch immer noch nicht an.

Ein Jahr ist es nun her, dass ich den Entschluss gefasst habe, nach dem Abi einen Freiwilligendienst machen zu wollen. Über Freunde und Bekannte wurde ich auf das „weltwärts“-Programm aufmerksam, das Freiwilligenprojekte aller Art im Globalen Süden dieser Welt anbietet. Ich machte mich also auf die Suche nach interessanten Projekten und Ländern und wurde bald fündig. In Chile, genauer gesagt in Vina del Mar, einer Küstenstadt etwa 200km von Chiles Hauptstadt Santiago entfernt, wurde ein Projektplatz an der „Escuela Popular de Artes“ angeboten. Die Escuela Popular sei eine Schule für Kinder und Jugendliche aus den umliegenden Vierteln, an der sie musizieren, tanzen und Theater spielen könnten, hieß es in der Projektbeschreibung. Da ich selbst schon seit vielen Jahren unglaublich gerne Klavier und auch Theater spiele und in Chile die Möglichkeit hätte, weiterhin Spanisch lernen und sprechen zu können, fiel mir die Wahl nicht schwer –  dieses Projekt sollte es sein. Ich schickte also meine Bewerbung an das Eine Welt Netz NRW (der Entsendeorganisation in Deutschland) ab und erhielt nach einigen Wochen freudestrahlend eine Zusage für genau den Platz, den ich mir ausgeguckt hatte. Ein Freiwilligendienst würde es also werden, ein Jahr lang leben und arbeiten in einer ganz neuen Kultur, in einem völlig anderen Umfeld und zusammen mit vielen, mir noch unbekannten Menschen. So richtig vorstellen konnte ich mir das jedoch alles noch nicht und vor allem fühlte sich all das noch meilenweit entfernt an.

Doch trotz – oder vielleicht gerade deswegen? – des letzten Jahres als Schülerin und der Ablenkung durch das viele Lernen für die abschließenden Abiturprüfungen, gingen die Monate wie im Flug vorbei. Spätestens im Mai rückte der Freiwilligendienst (FWD) dann ein ganzes Stück näher. Auf dem ersten Vorbereitungsseminar von unserer Organisation, dem Eine Welt Netz (EWN), lernte ich viele junge Leute aus ganz Deutschland kennen, die sich auch für einen Freiwilligendienst entschieden hatten. Obwohl wir alle total unterschiedliche Menschen sind und in ganz verschiedene Länder reisen würden, verstanden wir uns alle auf Anhieb. Auch unsere Organisation entpuppte sich als unglaublich offen und sympatisch. Das Seminar war wie eine Art Startschuss für das Freiwilligenjahr –  es ging um alle möglichen Themen, die uns vor, während und nach dem FWD begleiten würden und die Teamer (meist ehemalige Freiwillige) erzählten uns vieles über ihre eigenen Erfahrungen und Erlebnisse. Auf dem Seminar lernte ich auch meine beiden Mitfreiwilligen kennen, mit denen ich zusammenleben und im gleichen Projekt arbeiten werde.

Nachdem dann endlich alle Abiprüfungen bestanden waren und das Leben als Schülerin somit sein Ende gefunden hatte, stand dem Jahr in Chile nichts mehr im Wege. Erste und letzte Einkäufe werden getätigt, Dokumente beantragt, verschickt und unterschrieben, eine Packliste geschrieben, mein Zimmer ausgemistet und nach und nach verabschiede ich mich von all meinen lieben Menschen, die ich wohl beim besten Willen nicht mit in den Koffer kriegen werde. Gerade beim Abschied von meinen Freunden ist es irgendwie ganz merkwürdig und doch aufregend zugleich, zu wissen, dass jeder einen anderen Weg einschlagen wird – seinen eigenen.

Mein Weg geht nun also Richtung Südamerika, nach Chile, nach Vina del Mar. Der Koffer ist noch nicht ganz gepackt, einige Abschiede stehen noch bevor und die Aufregung wächst mit jeder Minute. Trotz aller Vorbereitungen kann ich es immer noch nicht so richtig fassen, was da auf uns zukommt. Ich freue mich auf jeden Fall darauf, viele wertvolle Erfahrungen zu sammeln und einer Menge neuer Menschen zu begegnen. Ich bin wirklich dankbar, dass ich die Chance habe, so ein Jahr machen zu dürfen, denn das ist ganz und gar nicht selbstverständlich! Was auch immer meine Mitfreiwilligen und mich im nächsten Jahr erwarten mag, ich bin gespannt und hoffe, das Beste daraus machen zu können 🙂

Ein Gedanke zu „auf nach Chile“

  1. Buenos dios, liebe Jola, sind gerade 2 Tage aus dem heißen Texas und Colorado zurück -haben wir gleich deine sehr interessanten Berichte gelesen!! Du bist jetzt in einer ganz anderen, aber offensichtlich freundlichen Welt, genieße diese Zeit. Wir freuen uns schon auf deine nächsten Bloggs! Liebe Grüße
    Karin u. Wolfgang

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