Adventszeit, Weihnachten und Neujahr auf chilenisch

Rein sprachlich ist die Übersetzung dieser drei Konzepte nun nicht so schwer.

  1. Advent = adviento
  2. Weihnachten = navidad
  3. Neujahr = año nuevo

Jedoch sagt der Fakt, dass viele Chilenen nicht wissen, was genau „adviento“ denn  nun bedeutet, viel über die Unterschiede in der jeweiligen Zelebrierung dieser drei Feste aus.

  1. Adventszeit.

Existiert hier prinzipiell nicht (außer in den tiefst gläubigen Familien). Doch was nicht ist, kann ja noch werden: Da meine allerliebste Familie mir ein riesiges Advents-/Weihnachtspaket aus Deutschland gesendet hat, habe ich es mir nicht entgehen lassen, jeden Adventssonntag mit Spekulatius und Lebkuchen zu versüßen und mit Kerzenschein zu erhellen. Dabei durfte ich jedes Mal von Neuem erklären, was genau dieses „Advent“ denn genau bedeutet. Dabei ist mir doch gleich viel bewusster geworden, wie schön wir es uns im Dezember in Deutschland immer machen. Mal abgesehen davon, ob man nun gläubig ist oder auch nicht, habe ich gemerkt, dass hier mir hier in Chile vor allem das adventliche zur Ruhe kommen und das familiäre Beisammen-Sein gefehlt hat.

  • 1. Advent: zuhause, gepaart mit tésito und once (Abendbrot).

 

  • 2. Advent: im Surco, unter Freunden, ganz international, mit fusion zwischen deutscher Weihnachts-Kirchenmusik und lateinamerikanischer musikalischer Begleitung auf Gitarre – schön war’s 🙂

 

  • 3. Advent: in Valpo, in einer befreundeten WG, mit ganz vorzüglichem Rotwein

 

  • 4. Advent: wieder zuhause, mit Familie, unter dem wunderschönen Licht des Vollmondes. Wie romantisch 😉

 

     2. Weihnachten.

Eines steht fest: Weihnachten auf der Südhalbkugel ist allein schon wegen des umgekehrten Klimas nicht mal annähernd mit Weihnachten in Deutschland zu vergleichen. Hinzu kommt, dass dem eh schon so kommerziell geprägten Weihnachtsfest hier in Chile – meiner Erfahrung und vielen Berichten nach – leider absolut die Besinnlichkeit und Authentizität fehlt. Wie so vieles ist auch das chilenische Weihnachts“fest“ von der US-amerikanischen „Leitkultur“ bestimmt. So dudelt im Hochsommer trotzdem „jingle bells / dashing thorugh the snow“ im Radio…fast schon sarkastisch finde ich. Was soll’s, wir haben es uns in der Familie trotzdem schön gemacht und alle zusammen gegessen und um Mitternacht (wie hier üblich) die Geschenke aufgemacht. Das befürchtete Weihnachtsheimweh: zum Glück Fehlanzeige. Hab‘ mich in meiner chilenischen Familie pudelwohl gefühlt, wie die folgenden Bilder beweisen.

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vollgefuttert alle zusammen vor’m Ferseher auf’m Sofa – hat ja doch gewisse Ähnlichkeiten zur Heimat 😉
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ähm ja. alle die mich kennen, wissen das ich so ein Gesicht nur mache, wenn es mir sichtlich gut geht 😉

    3. Neujahr.

Bleibt noch das Silvester-Fest. Die Neujahrsnacht war für mich die einzige der drei Feierlichkeiten, die unsere Bräuche daheim um Längen übertrumpft hat. Während deutsche Straßen in der letzten Nacht des Jahres immer wieder einem Straßenkrieg gefährlich ähneln und einem vor Kälte draußen fast die Finger abfrieren, sind hier im Sommer nicht nur die nächtlichen Temperaturen höchst angenehm, es sind nämlich außerdem seit Jahren private Feuerwerke aufgrund zu hoher Verletzungsgefahr verboten – da soll sich Deutschland mal was abschauen! Dafür gibt der chilenische Staat  jedes Jahr Unmengen an Geld aus, um die Bucht von Vina und Valparaíso etwa 20 Minuten lang in schönstem Glanz erstrahlen zu lassen. Ist zwar einerseits ein echter Augenschmauß, der auch gleichzeitig massig Touristen anzieht, das Geld könnte jedoch an anderen Stellen viel sinnvoller eingesetzt werden und eine Umweltsauerei ist es ja sowieso immer…nun ja, alles hat eben seine Vor- und Nachteile.

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mit Familie zusammen schmausen
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das Feuerwerk bestaunen – ist übrigens das größte Feuerwerk Chiles!
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und danach mit Musik und Freunden im Surco ins neue Jahr hinein feiern…
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…typisch chilenisch ging besagte Feier um 3 Uhr nachts los und war am nächsten Morgen um 7 noch nicht zuende…

Soviel zu den ganzen Feierlichkeiten. Ich kann nur sagen, dass es durchaus bereichernd war, alles mal so ganz anders zu erleben. Resumée: die Adventszeit und Weihnachten verbringe in Zukunft glaube ich doch lieber unterm Tannenbaum im winterlichen Deutschland / Europa, für Silvester fliege ich dann mal kurz zurück nach Chile 😉

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