Zwischenstand nach 6 Monaten Freiwilligendienst

Besser spät als nie – hier kommt mein Halbjahresbericht als Nachschub 😉

Kaum zu glauben, aber wahr. Schon fast ein halbes Jahr lebe und arbeite ich nun schon in den Hügeln von Viña del Mar, Chile. In den letzten drei Monaten habe ich viele wertvolle Erfahrungen gesammelt, sowohl arbeitstechnisch als auch kulturell.

Während der November in der Escuela Popular de Artes (EPA) noch recht ruhig und geregelt verlief, ging es im Dezember mit der Arbeit richtig los. Alles stand im Zeichen der Vorbereitung der jährlichen Abschlusskonzerte Ende Dezember. Was genau das für mich bedeutete? Lernen, mit Druck umzugehen und mir selbst Prioritäten zu setzen. Das erste große Event, was es zu meistern galt, war ein Konzert zusammen mit Laurenz in einem Altersheim, vor ca. 80 Leuten. Wir hatten uns ein recht anspruchsvolles Stück ausgesucht und zwei Wochen lang intensiv geprobt, noch neben dem regulären Unterricht geben in der EPA. Dabei habe ich vor allem viel über das Klavier üben dazugelernt, und gemerkt, dass dies echt anstrengend sein kann. Außerdem musste ich meine kleine Angst vor Musikaufführungen vor vielen Menschen überwinden, hat im Nachhinein aber alles gut geklappt.

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Nach dem Konzert hatte ich kurzzeitig das Gefühl, die Anspannung sei von mir abgefallen, jedoch fühlte ich mich weiterhin ziemlich gestresst. Der Grund dafür war glaube ich, dass ich alles Mögliche gleichzeitig schaffen wollte. Ich wollte alle meine 6 Klavierschüler*innen bestmöglich auf ihre Abschlusskonzerte vorbereiten, das Bücherinventar schnellst möglich fertigstellen und nebenbei weiter an meinen eigenen musikalischen Fähigkeiten arbeiten. Zwischenzeitlich habe ich nämlich angefangen, ein wenig Querflöte zu spielen. Offensichtlich war dies jedoch ganz schön viel auf einmal, da ich irgendwann kaum noch wusste, was nun Vorrang hatte. Nach einem langen Gespräch mit Alexis (meinem Gastonkel und dem Lehrerkoordinator der EPA) stellte sich heraus, dass ich mir viel zu viel Verantwortung auf die Schultern geschaufelt hatte und Arbeit erledigte, die mir gar nicht aufgetragen wurde. Kurz um: Ich habe wohl etwas zu übereifrig gearbeitet und dabei ganz vergessen, zwischendurch auch mal Pause zu machen. Ich musste feststellen, dass ich diejenige bin, die so hohe Erwartungen an meine Arbeit stellt, denn für die EPA sind wir nach wie vor Freiwillige, die helfen, wie und wo sie können, aber noch lange keine volle Arbeitskraft sind. Was wir in dem Gespräch allerdings auch festgestellt haben, war, dass unsere Tätigkeiten
als Freiwillige nicht besonders genau definiert wurden und eine regelmäßige Evaluation bzw. Feedback zu unserer Arbeit fehlte. Nichtsdestotrotz macht mir die Arbeit an der EPA weiterhin ziemlich viel Spaß und ich wachse an den Herausforderungen, die sich mir bis hierhin gestellt haben und sich weiterhin ergeben. Die Abschlusskonzerte Ende Dezember zeigten letztendlich, dass sich harte Arbeit auszahlt und setzten erst einmal einen Schlussstrich unter die viele Arbeit. Ich habe sogar eine kleine Rede vorbereitet, um mich bei der EPA und den Schüler*innen zu bedanken, und mal so ein wenig genauer vorzustellen, was wir Freiwilligen eigentlich so genau an der EPA machen, weil ich das Gefühl hatte, dass viele das gar nicht so genau wissen.

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Im Januar bereiten wir uns nun auf das Jubiläumskonzert zum 20.Geburtstag der EPA, welches Ende Januar stattfinden wird, vor und ich arbeite an einem Dokumentarfilm, der das Sozialprojekt, dass jeden Samstag in dem campamento „Manuel Bustos“ stattgefunden hat, zusammenfasst und vielleicht sogar zum Spenden sammeln gebraucht werden kann. Also weiterhin viel Arbeit, aber auch unglaublich viel dazugelernt und vor allem die Erkenntnis gemacht, dass wenn man wirklich etwas schaffen möchte, es auch möglich ist.

Insgesamt waren die letzten drei Monate also eine ziemlich intensive, erlebnis- und erkenntnisreiche Zeit. Ich habe viel über mich selbst und meine Belastungsgrenzen gelernt und darüber, was es bedeutet, Teil eines Arbeitsgefüges zu sein und den jeweiligen Kompetenzen und Aufgaben, die mir in diesem Gefüge zustehen. Den Draht zu unserer Mentorin Mirta habe ich erst vor kurzem so richtig gefunden, da wir anfangs kaum mit ihr involviert waren. Doch nachdem Maike (die ehemalige Freiwillige der EPA) uns erzählt hatte, dass es kein Problem sei, einfach mal so bei Mirta auf eine Tasse Tee vorbeizuschauen und ein wenig zu plaudern, habe ich angefangen, Kontakt zu ihr aufzunehmen. Mir tut es super gut, von Zeit zu Zeit mal in Ruhe mit ihr zu sprechen. Sie ist sehr verständnisvoll und vor allen Dingen eine Person, die nicht unmittelbar in die Arbeit der EPA involviert ist, sodass wir zusammen mal von außen auf die Aktivitäten und Geschehnisse der EPA schauen können. Auch wenn es mir mal nicht gut geht, weiß ich, dass ich mit allen möglichen Sorgen zu ihr kommen kann und sie ein offenes Ohr für mich hat.

Nun geht es auf den wohlverdienten Urlaub hinzu, die EPA schließt im Februar über die Sommerferien und das Zwischenseminar kommt auch noch auf uns zu. Ich bin froh, mich nun erst einmal ausruhen zu können und die ganzen Erlebnisse hoffentlich ein wenig mental zu sortieren und verarbeiten zu können, sodass es Mitte März dann wieder mit frischer Kraft in die zweite Jahreshälfte losgehen kann.

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