Peru und Bolivien

Den ersten Teil meines Urlaubs habe ich nördlich von Chile verbracht. Anfang Februar machte ich mich auf den Weg. Der erste Halt war die nördlichste Stadt Chiles, Arica. Dort habe ich drei Tage verbracht, bevor ich dann über die Grenze nach Peru gefahren bin.

Meine erste Station in Peru war die Stadt Arequipa. Die Busfahrt dorthin war schon mal recht abenteuerlich, da ich mich noch nicht so ganz mit den ganzen Fernreisebussen auskannte und somit einfach mal einen der günstigsten Busse gebucht habe. Dafür saß ich dann etwa 7 Stunden in einem völlig vollgestopfen und absolut überhitzten Reisebus, und alle Mitreisenden waren froh, als wir letztendlich in Arequipa ankamen. Von dort aus machte ich mich auf die Suche nach dem „Mango-Hostel“, in dem ich mich mit Julia und Max verabredet hatte. Kurze Vorgeschichte: Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, ganz allein drei Wochen lang durch Peru und Bolivien zu reisen. So ganz wohl war mir mit dem Gedanken zwar nicht, irgendwie würde ich das aber schon hinbekommen, dachte ich mir. Zu meinem Glück sind Julia, eine Freundin aus Deutschland, und Max, ihr Freund, genau am gleichen Tag wie ich in Arequipa angekommen, sodass wir uns dort treffen und einen Teil der Reise zusammen verbringen konnten. Während Max sich auf eine Vulkantour wagte, machten Julia und ich uns zwei Tage später auf den Weg auf eine zweitägige Tour in den Colca-Canyon. Hier ein paar Eindrücke von der Tour:

DSC06223
Kondore in freier Wildbahn – ziemlich beeindruckend und viiiiel größer, als sie auf dem Bild aussehen
DSC06227
Julia und ich vor dem Start der ersten Wanderung – da schauen wir noch ganz happy 😉
DSC06248
völlig erschöpft am Fuß des Canyons angekommen, nach sechs Stunden Wanderung bergab…da wussten wir noch nicht, was uns am nächsten Morgen erwartete
DSC06258
…denn am nächsten Morgen mussten wir ja irgendwie wieder aus dem Canyons hinaus kommen. Also ging es 3,5 Stunden ziemlich steil bergauf – 1100 Höhenmeter um genau zu sein. Puh, war das anstrengend! Dafür wurden wir allerdings mit schönen Ausblicken wie diesem belohnt.

Absolut kaputt von der ersten Tour kamen wir zurück in Arequipa an. Als ich aus dem Minivan ausstieg, meinte Julia nur so: „Jola, du siehst aus wie eine Omi, die einen Gehstock gebrauchen könnte…“. So steif fühlten sich meine Beine auch ungefähr an! Im Hostel erwartete uns schon Max, der seine Tour auf einen 6000 Meter hohen Vulkan zum Glück heile überstanden hatte.

Am nächsten Abend machten wir uns auf den Weg zum Busterminal. Nächste Station: Cusco. Allerdings wurde uns am Terminal mitgeteilt, es gäbe großflächige Demonstrationen auf der Strecke, sodass Teile der Straße unpassierbar seien. Schlussendlich fanden wir aber doch ein Unternehmen, die noch einen Bus losschickten, in der Hoffnung, die Straßensperrung würde sich am nächsten Morgen aufgelöst haben. Nuuuun ja, die Hoffnung löste sich im Morgengrauen beim Blick aus dem Busfenster allerdings in Luft auf. Der Bus steckte hinter einer endlosen Schlange weiterer Reisebusse fest, die in derselben Hoffnung losgefahren waren. Wir stiegen also irgendwo auf der Strecke zwischen Arequipa und Cusco, in einem winzig kleinen Dörfchen, aus dem Bus aus. Zum Glück öffnete eine richtig nette, ältere Dame ihre Türen für uns und kochte uns Kaffee, als es zu regnen begann. Die weitere Zeit verbrachten wir mit Hörbuch-Hören (hoch leben die Känguru-Chroniken!) und wir konnten uns sogar die Kirche des Dorfes anschauen, die momentan aufwendig restauriert wird. Irgendwann setzte sich der Tross Reisebusse wieder in Bewegung und langsam, gaaaanz langsam, krochen wir voran in Richtung Cusco. Nach letztendlich 22 Stunden (obwohl es eigentlich nur 10 sein sollten) kamen wir in Cusco an. Was eine Fahrt!

Cusco ist eine der historistischen Städte Perus, umgeben von vielen Ruinenstätten der Inka. Außerdem liegt die Stadt auf 3400 Metern Höhe. Diese bekam ich am nächsten Morgen direkt zu spüren – die berühmt-berüchtigte Höhenkrankheit hatte mich voll erwischt. Schwindel, Übelkeit, Atemnot, das volle Programm. So eine Reise darf man auf gar keinen Fall unterschätzen! Mir blieb also nichts anderes übrig, als einen Tag im Bett zu verbringen. Auch Max hatte sich auf seiner Vulkantour stark erkältet und so verwandelten wir das Hostelzimmer kurzerhand in ein Krankenlager, mit Julia als unserer Krankenpflegerin.

Von Cusco aus gelangt man unter anderem zu der berühmten Inka-Ruinenstadt Machu Picchu, welche sogar zu den Weltwundern zählt. Den Ausflug dorthin wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Wir entschieden uns für eine zweitägige Tour. Nach 6 Stunden Fahrt und 12 Kilometern Wanderung (leider im strömenden Regen), kamen wir in Aguas Calientes an, das Dorf, von dem aus man zur Ruinenstätte gelangt. Am nächsten Morgen ganz früh ging es hinauf zum Machu Picchu (wir haben geschummelt und den Bus genommen, anstatt die Treppen hinaufzukletttern…ich glaube, die hätte ich jedoch beim besten Willen nicht gemeistert). Hier einige Eindrücke vom ziemlich beeindruckenden Machu Picchu:

DSC06300
Ausblick auf die ehemalige Inka-Stadt, bei bestem Wetter (zum Glück!)
DSC06299
auch dem Alpaka gefällt die Aussicht wohl ganz gut 😉
DSC06313
der Rundgang führt bis hinunter in Stadt. So wirklich vorstellen, dass die Stadt früher tatsächlich bewohnt war, kann ich mir irgendwie immer noch nicht so richtig. Machu Picchu war eine der einzigen Stätten, die die spanischen Kolonialisten nicht entdecken bzw. erobern konnten, sodass heute noch etwa 80% der Stadt erhalten sind!

Es war schon extrem beeindruckend, eines der sieben Weltwunder hautnah zu erleben. So richtig greifbar ist es für mich immer noch nicht –  kaum vorzustellen, wie die Inka dort früher gelebt haben! Leider zerstören die großen Touristenmassen ganz schön die Magie des Ortes – da muss ich mir wohl auch an die eigene Nase fassen…Tourismus hat auch immer seinen Preis!

In Cusco trennten sich schließlich unsere Wege. Für Julia und Max ging es weiter Richtung Norden, ich machte mich auf den Weg zum Titicaca-See, der zum Teil zu Peru, zum Teil zu Bolivien gehört und der höchstgelegenste befahrbare See der Welt ist (3900 Meter).

Meine erste Station am See war Puno, welches sich noch auf der peruanischen Seite befindet. Von dort aus machte ich eine eintägige Bootstour auf den See. Auf dem Weg kamen wir an den „islas flotantes“ (schwimmende Inseln) vorbei, auf denen das Volk der Uros lebt. Sie bauen die vielen kleinen Inselchen alle aus einem besonders starken Schilf, welches auf dem Wasser schwimmen kann. Alle paar Wochen muss eine neue Schicht Schilf aufgetragen werden, damit sie sich nicht im Wasser auflöst – einzigartig!

DSC06327
der Inselrand und ein Boot, das auch aus Schilf besteht und bis zu 30 Leute transportiert – unglaublich!
DSC06336
hier sieht man ein befülltes Boot in Bewegung

Die zweite Station befand sich auf der bolivianischen Seite des Titicaca-Sees: Copacabana. Auf dem Weg dorthin habe ich zwei Deutsche kennengelernt, mit denen ich abends zusammen auf der Dachterrasse eines Cafés den Ausblick auf den kleinen Hafen genoss.

DSC06350
Hafen von Copacabana bei Sonnenuntergang

Am nächsten Tag machten wir eine weitere Bootstour, diesmal zur sogenannten „isla de la luna“ und zur „isla del sol“ (Mondinsel und Sonneninsel). Auf der Bootsfahrt konnten wir einen wunderschönen Regenbogen sehen:DSC06355

Die letzte Station meiner Reise war schließlich La Paz. Die Stadt ist riiiiesig groß und liegt in einer Art Kessel, denn sie ist rundum von Hügeln umgeben. Fortbewegen kann man sich mit einer Gondel, die bis hinauf in den Stadtteil „El Alto“ fährt. Die Stadt ist extrem wuselig und man muss echt aufpassen, beim Überqueren der Straße nicht von einem Auto angefahren zu werden. Zitat des Stadtführers: „für die Auto- und Busfahrer sind die Ampeln wie blinkende Weihnachtslichter – nichts mehr als eine schöne Dekoration“. Ich glaube, das erklärt einiges!

DSC06365
mit der Gondeln über der Stadt schweben

Von La Paz aus ging es dann wieder zurück nach Chile. Meine Zeit in Peru und Bolivien war ziemlich ereignisreich, ich habe viel gesehen und erlebt. Allerdings muss ich eingestehen, dass das Reisen an sich doch ganz schön anstrengend sein kann! Was ich außerdem ziemlich beeindruckend fand, ist, wie unterschiedlich die verschiedenen lateinamerikanischen Länder sind. Die Sprache klingt überall ein wenig anders und ich habe das Gefühl, dass Peru und Bolivien, im Gegensatz zu Chile, weniger europäische Einflüsse haben und ihre Kultur noch viel stärker ausleben. Das mag auch daran liegen, dass die Einflüsse und Anteile der indigenen Völker in Peru und Bolivien noch größer ist, als in Chile. Alles in allem also eine ganz schön beeindruckende Reise!

Ein Gedanke zu „Peru und Bolivien“

Hinterlasse einen Kommentar