Roadtrip al Valle del Elqui

Vorletztes Wochenende haben wir uns zu sechst auf den Weg ins ca 500 km nördlich liegende Valle del Elqui gemacht. Wir – das waren Lukas, Laurenz, Elsa, Luisa, Vanessa und ich, allesamt weltwärts-Freiwillige aus Santiago, die Laurenz und ich auf dem Zwischenseminar kennengelernt haben und mit denen wir seitdem viel Zeit verbringen.

Der ganze Ausflug war recht spontan geplant.  Wir hatten Lust, ein verlängertes Wochenende irgendwohin zu fahren und schon stand die Idee im Raum, das Valle del Elqui zu erkunden. Da wir zu sechst fahren wollten, schlug Lukas vor, einen Minibus zu mieten, und einen richtigen Roadtrip daraus zu machen. Alle waren begeistert von der Idee. Fix war der Bus gemietet und ich kümmerte mich noch um eine Unterkunft im Elqui-Tal und schon waren wir aufbruchsbereit. Am Samstag Vormittag holten unsere amig@s de Santiago Laurenz und mich in Viña ab. Nach einem kurzen Einkaufs- und Kaffeestop im Supermarkt saßen wir höchst motiviert im Minibus. Lukas legte den ersten Gang ein und schon konnte es losgehen. Nach anfänglichen Navigationsschwierigkeiten (ich glaub wir sind dreimal bei der gleichen Abfahrt falsch gefahren und haben uns im Kreis gedreht) gelangten wir schließlich auf die Ruta 5 Richtung Norden. Die Stimmung war wunderbar! Es lief laut Musik und auf der Rückbank wurde schon das ein oder andere Bier geöffnet…;-) Halt ein richtiger Roadtrip. Zum Sonnenuntergang wollten wir eigentlich schon in La Serena angekommen sein, doch schnell wurde uns klar, dass wir dies zeitlich nicht mehr schaffen würden. Also fuhren wir etwas vor La Serena von der Ruta 5 ab zu einem kleinen Küstenörtchen, um gerade so pünktlich den Sonnenuntergang anzuschauen.

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von links: Luisa, Lukas, Laurenz, Vanessa, ich und Elsa an der Küste beim Sonnenuntergang
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Pazifikküste bei Tongoy. Diese wunderschönen Sonnenuntergänge werde ich echt vermissen!

Kaum war die Sonne am Horizont verschwunden, setzten wir uns wieder ins Auto und machten uns auf den Weg nach La Serena um dort zu tanken und noch etwas für das Abendessen einzukaufen. Lukas fuhr so übermotiviert los, dass er fast einen Speedbump übersah und gerade so noch bremsen konnte. Eine Autopanne wäre auch das letzte gewesen, was wir hätten gebrauchen können! Fortan schrien alle bei jedem weiteren Speedbump laut: „Lukas, Speeeeedbump!“ – ich glaube, er hatte es dann auch verstanden. Kurz darauf erreichten wir endlich La Serena, tankten kurz und kauften ein. Leider ging auf ärgerliche Art und Weise Laurenz eigens ausgewählte Weißweinflasche auf dem Supermarktparkplatz zu Bruch, wofür ich schlussendlich verantwortlich gemacht wurde und ein kleiner Streit ausbrach. So schlimm war es dann aber auch nicht, wir kauften einfach eine neue Flasche Weißwein.

Vor uns lagen noch zwei weitere Stunden Fahrt, von La Serena nach Osten, ins Valle del Elqui. Das Valle del Elqui ist ein Tal, durch das der Elqui-Fluss fließt. Außerdem ist dort die sehr bekannte chilenische Dichterin Gabriela Mistral geboren. Vor allem ist das Tal jedoch für seine Weinreben bekannt, aus denen der beliebte chilenische Pisco-Schnaps hergestellt wird. Das Tal ist somit wortwörtlich die „Quelle des Pisco“. (Ob die Chilenen den starken Schnaps wirklich Pisco nennen dürfen, müssen sie mit den Peruanern klären. Sowohl Peru als auch Chile erheben nämlich Anspruch auf die Erfindung des Pisco. Der Streit wird wohl ewig andauern. Mir persönlich schmeckt tatsächlich der peruanische Pisco besser 😉 ).

Völlig müde und erschöpft von der langen Fahrt kamen wir endlich in der gemieteten Cabaña an. Auf dem Weg hatten wir noch Hannah und Sarah aufgesammelt, die an dem Wochenende auch im Valle unterwegs waren. Hungrig machte sich Küchenchef Laurenz ans Kochen. Wir anderen bezogen schonmal die Zimmer der geräumigen und gemütlichen Cabaña, Lukas machte im Kamin ein Feuerchen an.

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das bin übrigens ich mit meinem neuen Lieblingsinstrument – dem Charango 🙂

Aufgrund eines Missverständnisses mit dem Vermieter wurde uns das wärmende kleine Feuerchen noch zum Verhängnis, denn einige Minuten später kamen die Flammen oben aus dem Schornstein herausgespien. Offensichtlich hätte der Kamin noch gar nicht benutzt werden dürfen, da er noch nicht fertig gebaut war und von innen mit einer Holzkonstruktion aufrecht erhalten wurde, welche sich durch unser Feuerchen in einen Großbrand verwandelte. Doch zum Glück konnten wir mithilfe der versammelten Dorfbewohnerschaft, literweise Wasser und einigen Kilo Sand das Feuer löschen. Als die Feuerwehr dann irgendwann eintrudelte, war das Feuer schon längst gelöscht. Wir hatten echt Glück im Unglück und außer dem Schornstein ist nichts zu Schaden gekommen. Nach dem nächtlichen Schreck konnten wir endlich kochen und fielen müde ins Bett.

Am nächsten Tag hatten wir Zeit, uns das Tal bei Tageslicht anzuschauen. Wir hatten wunderschönes Wetter und die herbstliche Färbung der Weinreben ließen das Valle in seiner vollen Schönheit erstrahlen. Auf den Bergspitzen konnte man sogar schon etwas Schnee erblicken. Hier kommen ein paar Bilder, einige davon sind auch von Elsa geschossen.

An dem Tag besuchten wir noch eine kleine Pisco-Destillerie, in der uns der Weg von der Traube bis hin zum Schnaps erklärt wurde. Die im Familienbetrieb geführte Destillerie besitzt etwa 7 Hektar Weinrebenfelder und stellt im Jahr 80.000 Flaschen Pisco her. Große Betriebe produzieren einige Millionen Flaschen jährlich. Nach der Führung durch die Destillerie spazierten wir noch ein Weilchen über das immens große Gelände.

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Abends ging es zurück zu unserer Unterkunft. Wir kochten und tranken und aßen, hörten Musik und unterhielten uns. Gegen Mitternacht schauten wir uns draußen die Sterne an, die im Elqui-Tal besonders schön zu sehen sind. Sogar die Milchstraße und einige Sternschnuppen waren zu sehen. Die Stille und die klare Luft in dem Tal sind echt einzigartig.

Am Montag Morgen mussten wir nach einem ordentlich Frühstück leider schon unsere Sachen zusammenpacken. Auf dem Weg nach Hause machten wir noch an einigen Punkten halt. Hier zum Beispiel an einem „Cruce de los Rios“ (Flusskreuzung), wo zwei Flüsse ineinanderfließen.

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links ein etwas milchigerer Fluss und rechts ein sehr klarer Fluss. Im Hintergrund die Berge des Elqui-Tals

In La Serena machten wir am Strand halt, Elsa wagte sich sogar in das eiskalte Pazifikwasser!

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Gegen Abend trudelten wir dann endlich in Valparaíso ein und ließen unseren Roadtrip im „Hotzenplotz“ ausklingen, welches zu unserem neuen Lieblingsrestaurant deklariert wurde. Dort gibt es selbstgebrautes Bier und ECHTE Käsespätzle – sooooo lecker!

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Lukas und Laurenz gefällt’s auf jeden Fall!

Der spontane Roadtrip war also insgesamt ein richtig aufregender und wunderschöner Ausflug. Schade, dass wir nur so kurz dortbleiben konnten, es hat sich aber allemal gelohnt! Ins Valle del Elqui möchte ich auf jeden Fall nochmal fahren, sobald ich wieder nach Chile komme 🙂

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