luchando por una educación digna

Am Mittwoch Morgen haben wir mit der murga an einem Protestmarsch der chilenischen LehrerInnen in Valpo teilgenommen. Protestmarsch, warum das denn? Was in den europäischen Medien höchstwahrscheinlich nicht mit einem Wörtchen erwähnt wird, ist hier bitterer Ernst – die LehrerInnen Chiles streiken seit über einem Monat. Denn anders als in Deutschland sind LehrerInnen hierzulande nicht verbeamtet und genießen keine sozialen Vorteile vom Staat. Dementsprechend sind Streiks im öffentlichen Bereich keine Ausnahme. Seit 5 Wochen nutzen die LehrerInnen ihr Streikrecht aus, um für eine würdige und gerechte Bildung zu kämpfen.

Auch ich habe mich anfangs gefragt, ob der Lehrerstreik so sinnvoll ist für eine bessere Bildung. Denn bei geschlossenen Schulen können die SchülerInnen ja nicht gerade viel lernen. Doch mit jedem Protestmarsch und jedem weiteren Streiktag wurde mir klarer, warum die Lehrerinnen und Lehrer nicht zur Arbeit, sondern auf die Straße gehen.

Der finale Auslöser für die Streiks war die Ankündigung des chilenischen Präsidenten Sebastian Piñera, in den letzten zwei Jahren der Schule (entspricht bei uns Klasse 11 und 12) sowohl Geschichte als auch Sport und Kunst als Pflichtfächer zu streichen und nur noch als Wahlfächer anzubieten – und das landesweit. Besonders Sport und Geschichte haben in Chile einen extrem hohen Stellenwert. Aufgrund der chilenischen Diktaturgeschichte und der hohen Anzahl an übergewichtigen Kindern ist es umso wichtiger, dass beide Fächer verpflichtend an Schulen unterrichtet werden. Piñera versucht eben das zu verhindern.

Die Situation der chilenischen Schulen und LehrerInnen ist jedoch schon länger nicht zufriedenstellend. Die ProtestantInnen fordern bessere Arbeitsbedingungen und Lohnerhöhungen. Sie werfen der Regierung vor, zu viele Stunden für zu wenig Geld arbeiten zu müssen. Meistens ist ein Lehrer für über 30 Kinder in einer Klasse zuständig. Vor allen Dingen an den öffentlichen Schulen führt dies zu übermäßig viel Lautstärke und Unruhe in den Klassenräumen. Das können auch viele Mitfreiwillige, die an Schulen arbeiten, bestätigen. Außerdem fordern sie, dass die sogenannte „deuda histórica“ (historische Schuld) endlich ausgezahlt wird. Vor mehr als 30 Jahren versprach der chilenische Staat, das Minimalgehalt im öffentlichen Arbeitssektor (also auch das der LehrerInnen) jährlich anzuheben. Dies ist aber immer noch nicht geschehen. Auch die Zahlung angekündigter Boni fällt oft aus. Darüber hinaus fordern sie längerfristigere und sichere Anstellungen und eine grundlegende Lernplanänderung. Somit arbeiten die Lehrerinnen und Lehrer rund um die Uhr für eine bessere Bildung in Chile, während sie gerade einmal genug verdienen, um ihre Familie zu ernähren. Viele der LehrerInnen der EPA und auch andere meiner Freunde, die als Musiklehrer arbeiten, müssen an bis zu 3 verschieden Schulen arbeiten, um sich das Leben in Chile leisten und ihre Studienkredite abbezahlen zu können.

Rundum finde ich es also mehr als nachvollziehbar, dass die LehrerInnen und auch viele SchülerInnen für eine bessere und würdigere Bildung in Chile protestieren und dafür sogar ihr Monatsgehalt riskieren. In einigen Regionen wurde den LehrerInnen tatsächlich das Gehalt gestrichen als Strafe für das Streiken. Weder Piñera noch die Bildungsministerin Cubillos sind bis dato auf die Forderungen der Lehrer eingegangen.  Es geht sogar soweit, dass der wohl größte Protestmarsch bis dato (am 11.Juni), als tausende LehrerInnen die Ruta 68 bis nach zum Senatsgebäube in Valpo heruntergelaufen sind, um dort lautstark und friedlich zu protestieren, mit Tränengas und Schlagstöcken aufgelöst wurde. Einige Schulen haben intern beschlossen, den Unterricht wieder aufzunehmen, viele Schulen bleiben allerdings nach wie vor geschlossen. So wie es aussieht, folgen ihnen auch bald die Angestellten an Krankenhäusern und Consultorios.

Hier einige Eindrücke vom Protestmarsch am Mittwoch. Wir sind über 7 Kilometer durch die ganze Stadt marschiert! Am Plaza Sotomayor in Valpo versammelten sich fast 5000 Menschen.

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Eine der vielen Erkenntnisse, die ich während meines Freiwilligendienstes gemacht habe, ist, dass wir in Deutschland extrem dankbar für unser Bildungssystem sein können. Wir müssen weder Studien- noch Schulgebühren zahlen und das Bildungsniveau ist im Vergleich zu Chile wirklich hoch. Ich werde also ganz sicherlich nie wieder darüber meckern, zu Schule gehen zu „müssen“. Bildung ist ein Privileg, für das jeder dankbar sein sollte, vor allen Dingen, wenn es Bildung unter so guten Bedingungen wie in Deutschland ist.

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