es ist so weit!

Wir schreiben Montag, den 22. Oktober 2018, 23:10 Uhr. Mein siebenundsechzigster Tag in Chile neigt sich langsam dem Ende hinzu. Naja, für chilenische Verhältnisse hat der Tag ja praktisch gerade erst angefangen 😉 (hehe, kleiner Spaß am Rande..) Nein okay, jetzt aber mal ernsthaft. Liebe Freunde, Bekannte und Verwandte, ich habe frohe Nachrichten zu verkünden: Ich bin angekommen. Also jetzt wirklich! Also glaube ich zumindest 😉 Alsooo, ich bin mir glaube ich ziemlich sicher 🙂

Seit ein paar Tagen bin ich einfach nur richtig glücklich hier und laufe durch die Gegend wie ein grinsendes Honigkuchenpferd. Kaum zu glauben, dass ich vor nur zwei Wochen noch dachte, dass ich mich hier nie so richtig einleben würde. Doch schwuppsdiwupps, so schnell geht das dann auf einmal. Ich glaube, die Lichterkette hat den entscheidenen Ausschlag gegeben. Ich habe neulich mein kleines (aber feines) Zimmer mit einer Lichterkette und Bildern dekoriert. Seitdem freue ich mich tatsächlich richtig, abends nach Hause zu kommen und mich in mein kleines, jetzt noch feineres Zimmer zu kuscheln 🙂

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so sieht das Endprodukt aus – schön, nicht wahr? 😉

Hinzu kommt, dass ich mittlerweile gar nicht mehr weiß, wie ich die neulich erwähnten „Aktivitäten und Unternehmungen“ alle in eine 7 Tage Woche unterkriegen soll…naja, mit ein bisschen zu viel Kaffee lässt sich die Nacht ja bekanntlich ganz einfach zum erweiterten Tag umwandeln 😉 Auf einmal ergeben sich nämlich Unmengen an toller neuer Projekte und Vorhaben, die ich am liebsten alle auf einmal in Angriff nehmen würde. Hier ein paar Beispiele:

Neben dem Salsakurs gibt es donnerstags im Surco ein „encuentro músical“. Das sind so ungefähr 15 Leute, die sich zu einer wöchentlichen Jam-Session zusammenfinden und gemeinsam musizieren. Da traf es sich doch wunderbar, dass Keyboard und Violine noch nicht vertreten waren, sodass Laurenz und ich mit offenen Armen empfangen wurden. Sprich: NOCH ein Abend mehr im Surco jede Woche 😉

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may I present: der berühmt berüchtigte Surco – eines der beiden Kulturzentren hier in Achupallas

Außerdem fängt diesen Mittwoch das ETACC in der Mandrágora an. Das ETACC ist ein Theaterfestival, an dem Artisten aus ganz Lateinamerika teilnehmen – und mindestens eine Deutsche! Diesen Samstag macht unsere murga nämlich beim Karneval des ETACC mit und auch das encuentro músical wird sich im Rahmen der Veranstaltung präsentieren – da müssen wir aber noch ganz schön schnell die ganzen Lieder lernen…! Auf das ETACC freue ich mich auf jeden Fall riesig 🙂

So langsam beginnt auch die Reiseplanung für meinen freien Monat im Februar und Anfang März (jaaa, wir Glückspilze haben über einen Monat Zeit zum Reisen! :))) ). Und da gibt es natürlich aaaalles Mögliche, was ich so er-reisen möchte. Reicht wahrscheinlich nicht mal der eine Monat für, hehe 😉

Wunderbarerweise hat hier mittlerweile der Frühling endlich angefangen und mir war heute doch tatsächlich das ERSTE Mal keine Sekunde lang kalt! Unbelievable.

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super Wetter und wunderschöne Sonneruntergänge – der Schal ist nur wegen meiner Erkältung 😉 (fotoprops an Laurenz!)

Was meine Arbeit angeht, könnte es momentan auch kaum besser laufen. Der Klavierunterricht mit meinen Schülern läuft – wenn sie denn mal zum Unterricht kommen … – richtig gut. Auch wenn es am Anfang voll ungewohnt war, anderen Leuten Klavier beizubringen, einfach aus dem Grund, dass ich das vorher noch nie gemacht habe, macht es mir mittlerweile richtig viel Spaß. Durchs Beibringen lerne ich nämlich selbst noch eine ganze Menge dazu! Dazu kommt, dass ich mich ab jetzt voll und ganz auf ein richtig cooles Projekt stürzen kann. Undzwar darf ich mich an der Erstellung eines Films über das proyecto sociocomuntario beteiligen. (Keine Sorge, ich erkläre bald ganz genau, worum es sich bei diesem Projekt handelt. Versprochen!) Von Fotos machen, Statements aufnehmen und Video schneiden alles dabei. Das Ganze soll bis Ende Januar fertig sein…keine Ahnung wie wir das schaffen sollen 😉 Da habe ich jedoch tatsächlich unglaublich viel Lust zu!

Insgesamt fühle ich mich mittlerweile einfach echt schon wie ein Teil des EPA-Teams. Alexis meinte neulich sogar, dass er super zufrieden mit unserer Arbeit ist – und das kommt seeeehr selten vor 😉 (so ein bisschen stolz darf ich da schonmal sein, finde ich :)). Und heute durfte ich das ensemble latinoamericano der EPA als die offizielle Fotografin begleiten. Das habe ich richtig zelebriert – am Ende sind es auf jeden Fall ein paar zu viele Fotos geworden..(Überenthusiasmus und so 😉 ).

Kurz zusammengefasst: Langeweile? Was ist diese Langeweile? 😉

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das ist übrigens Alexis, mein Gastonkel, der ja auch Lehrer an der EPA ist
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das ist Jaime, der Tontechniker der EPA und sowieso der coolste von allen hier (mal abgesehen von mir natürlich, hehe) 😉
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ach ja und den komischen Kauz kennt ihr ja schon – das war heute bei dem Konzert vom ensemble latinoamericano in einem Kindergarten

Hier kommen noch ein paar wunderschöne Fotos vom besten Projektplatz ever – der EPA 🙂

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Ich bin also endlich angekommen. Ein bisschen mehr als zwei Monate hat das gedauert. Natürlich bin ich in Gedanken immer noch häufig zuhause. Aber mittlerweile gibt es hier so viele tolle Dinge zu tun, dass ich mindestens so viel mit meinen Gedanken in Chile bin wie zuhause. Jetzt ist vielleicht nur noch einer meiner Zehennägel in Deutschland, um es metaphorisch auszudrücken 😉 Ich bin mir bewusst, dass die Welle an Glückshormonen und Motivation, auf der ich momentan reite, wahrscheinlich auch mal wieder ein bisschen abflauen wird. Trotzdem bin ich jetzt sehr zuversichtlich, dass mir so schnell nicht mehr langweilig wird. Manchmal wünsche ich mir die gute alte Langeweile schon zurück 😉 Was lerne ich daraus? Kommt Zeit, kommt Rat! Einfach in Ruhe abwarten und Tee trinken, dann wird das alles schon von ganz alleine.

Es ist mittlerweile 01:26 und nach einigen kleinen Unterbrechungen während des Schreibens neigt sich nun auch dieser Blogeintrag dem Ende zu. (Müde bin ich trotzdem nicht, maldito cafesito….ich sollte echt aufhören so viel Kaffee zu konsumieren!) Eine kleine Anekdote zum Schluss will ich Euch aber noch erzählen:

„Du wirst schon sehen, mi hija! Auch wenn du jetzt am Anfang denkst, dass du nie so richtig in Chile ankommen wirst, merkst du auf einmal gar nicht mehr wie schnell die Zeit vorüber geht. Dein Abreisetag wird schneller kommen, als es dir lieb ist, meine Liebe! Glaub es mir, ich hab das schließlich schon mit mehr als 10 Generationen von deutschen Freiwilligen durchgemacht. Allesamt haben sie am Ende heulend am Flughafen gestanden und wollten gar nicht mehr nach Hause zurück.“ – Mama Ichas weise Worte, als ich mich irgendwann mal vor einiger Zeit über meine Langeweile beschwert habe und dass die Zeit ja soo langsam vorübergehe.

Und nun hab ich den Salat: Wie bitteschön sollen 10 Monate für alles reichen, was ich hier in Chile alles so tolles machen und entdecken kann?!?!?! Wisst ihr was? Am besten bleibe ich einfach hier und lasse mich von der EPA als Klavierlehrerin einstellen. Hört sich doch nach nem Plan an, oder? 😉

Gute Nacht ihr Lieben,

eure Jola 🙂

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