la Chingana

Nach wochenlanger Vorfreude war es gestern endlich soweit: die EPA verwandelte sich in die Schaustätte der alljährlichen Chingana. Die Chingana ist ein Fest, das anlässlich des chilenischen Nationalfeiertages stattfindet (der allerdings erst am 18.09. ist). Die ganze Woche liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Die Eltern organisierten Essen und Getränke, die Bands und Ensembles der EPA übten fleißig, es wurde dekoriert und diskutiert und am Samstag morgen dann die letzten Feinschliffe vorgenommen. Das Ergebnis: ein wunderschön geschmückter Innenhof der EPA, eine auftrittsbereite Bühne, aufgeregte Schüler und der Duft der Empanadas im Ofen in der Nase.

Mein erster Gedanke als endlich alles fertig geschmückt und aufgebaut war und nach und nach die ersten Gäste eintrudelten: „meine Güte, wenn in Deutschland jemand seinen Garten mit so vielen Deutschlandflaggen und -farben auf einmal schmücken würde, und nicht gerade die Fussball-WM stattfindet, dann würde er doch glatt gelyncht!“. So viel zum Thema Nationalstolz…Während schwarz, rot und gelb meiner Meinung nach auch nicht besonders schöne Farben sind, um einen ganzen Innenhof auszustatten, sah es mit den chilenischen blau-weiß-roten Flaggen aber tatsächlich echt gelungen aus (Foto siehe oben).

Eröffnet wurde die Chingana dieses Jahr von der murga. Mit ordentlich Krach und Radau zogen profe Kelo und die Kids aus den tomas durch den Hintereingang in den Innenhof der EPA ein.

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profe Kelo (rechts) und die murga in action

Danach gaben fast alle Bands und Ensembles der EPA ihre neuesten Stücke zum Besten. Es gibt das orquestra latinoamericano – ein Mix aus Streichern, Gitarren, Flöten und klassischen lateinamerikanischen Instrumenten wie z.B. der Panflöte oder einer kleinen Gitarre, die einer Ukulele ähnelt aber noch viel cooler klingt -, eine klassische Big Band, ein ensemble de cuerdas (Streicherensemble), ein ensemble de rock, ein ensemble de música popular, ein Perkussionsensemble und auch mehrere Solisten. Auch wir drei Freiwilligen sollten heute nicht nur Zuschauer sein. Laurenz hat gleich in drei Ensembles Geige gespielt, Maite sprang als Frontsängerin der Rockband ein und ich durfte die Big Band am Klavier begleiten. Hier ein paar Impressionen:

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Mit klingenden Ohren und gefüllten Mägen ging es dann über zum nächsten Höhepunkt des Tages: dem „cueca“ tanzen. Das darf neben dem typisch chilenischen Essen, wie zum Beispiel den Empanadas (gefüllte Teigtaschen) oder den completos (Hot Dogs, aber mit frischen Tomaten und Guacamole, also zehntausend mal leckerer ;-)), nicht fehlen. Der cueca Tanz ist nämlich offiziell der chilenische Nationaltanz (allerdings wird hier da oft drüber diskutiert, weil der Tanz wohl von den spanischen Einwanderern „importiert“ wurde und somit nicht so richtig „ur“chilenisch ist). Beim cueca imitieren huaso (cueca-Tänzer) und huasa (cueca-Tänzerin) den koketten Verfolgungsakt zwischen einem Hahn und einer Henne. Schwer vorzustellen, sieht aber echt ziemlich cool aus, wenn man es denn richtig kann. Könnt ihr Euch ja mal auf YouTube anschauen. Nur leider ist es in der EPA schon seit einigen Jahren Tradition, dass die neuen, ahnungslosen Freiwilligen bei der Chingana in cueca Kostüme schlüpfen müssen und ihre (nicht vorhandenen) Tanzskills zum Besten geben dürfen. Zum Glück hatten meine Gastmama Maricela und mein Gastbruder Aarón uns vorher ein paar Grundschritte erklärt, damit wir nicht ganz ins kalte Wasser springen mussten. Beim cueca kann nämlich jeder jeden zu Tanzen auffordern, sodass wir uns nicht so einfach davonkrümeln konnten. Dementsprechend war auch Laurenz‘ und meine Laune erstmal etwas angespannt, als wir in unsere Kostüme schlüpften:

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Poncho und Sombrero für die Herren, Kleidchen mit Spitze für die Damen, und ein Tüchlein zum „in der Luft schwingen“ für beide 

Aber da cueca Musik echt ziemlich cool ist und sie in der EPA live von Eltern, Lehrern sowie Schülern musiziert wurde und immer mehrere Paare gleichzeitig tanzen, machte es uns am Ende dann doch ein wenig Spaß. Nur mit dem Kostüm wollte ich mich nicht so richtig anfreunden. Ich fühlte mich ganz schön „puppig“, muss ich gestehen.

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So neigte sich die Chingana langsam dem Ende zu. Alles in allem ein gelungener Einklang für die bevorstehenden fiestas patrias (Nationalfeste) rund um den 18. September. Dazu bald dann mehr.

Chao und viele Grüße aus Chile, eure Jola 🙂

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das bin übrigens ich mit meinem Gastbruder Aarón – ein richtiger Cuecaprofi!

 

 

Ein Gedanke zu „la Chingana“

  1. Moin liebe Jola -du schreibst ja superplastisch alles genau und so sind wir mitten im Geschehen -wir lernen durch dich eine neue Welt kennen! Genieße diese Zeit weiterhin ! Deine Karin und Wolfi

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